Veröffentlichungsdatum : 27 October 2025
Verfasst von : Sanya Mehra
Der weltweite Transportsektor befindet sich im Umbruch. Mit dem stetigen Wachstum des globalen Fahrzeugbestands steigt auch der dringende Bedarf an sichereren und effizienteren Mobilitätslösungen. Die Dringlichkeit dieses Problems wird durch die jüngsten Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich, denen zufolge jährlich etwa 1,19 Millionen Menschen durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen. Diese tragischen Ereignisse führen zu einer Kettenreaktion und belasten insbesondere Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs), wo über 90 % dieser Todesfälle auftreten, wirtschaftlich stark. Die WHO setzt sich seit Langem für einen aktiven Ansatz ein, der das technische Paket „SAVE LIVES“ umfasst – ein integriertes Instrumentarium für Regierungen und Unternehmen zur Bewältigung zentraler Herausforderungen wie Geschwindigkeitsmanagement, Sicherheitsstandards für Straßenfahrzeuge und Straßeninfrastrukturplanung.
Doch Herausforderungen eröffnen beispiellose Chancen. Das Streben nach mehr Verkehrssicherheit treibt eine technologische Revolution voran, angeführt von autonomen Fahrzeugen (AVs). Einst Science-Fiction, sind AVs heute gut überprüfbar und zunehmend Realität – für OEMs ein neues Feld für Innovation, Expansion und Führungsrolle. Die Frage ist nicht mehr, ob AVs sich durchsetzen werden, sondern wie OEMs sich strategisch positionieren können, um diesen revolutionären Trend bis Ende 2025 zu nutzen.
Was macht ein selbstfahrendes Auto heutzutage aus?
Ein selbstfahrendes Fahrzeug, auch autonomes oder fahrerloses Fahrzeug genannt, ist ein komplexes Wunderwerk moderner Technologie. Es kombiniert hochentwickelte künstliche Intelligenz (KI), eine Reihe von Sensoren (wie LiDAR, Radar und Kameras) sowie hochentwickelte Software, um sich mit minimalem oder gar keinem menschlichen Eingriff auf öffentlichen Straßen fortzubewegen.
Die Society of Automotive Engineers (SAE) bietet den weltweit anerkannten Standard zum Verständnis dieser Technologie mit einer Klassifizierung von Stufe 0 (vollständig manuell) bis Stufe 5 (vollständig autonom). Eine gemeinsame Arbeit der SAE und der Internationalen Organisation für Normung (ISO) vom Mai 2022 hat diese Definitionen weiter präzisiert und klarere Unterscheidungen geschaffen, insbesondere zwischen den entscheidenden Übergängen von Stufe 2 zu Stufe 3.
Für Verbraucher ist der Übergang von einzelnen Fahrerassistenzsystemen wie dem adaptiven Tempomat zur vollautomatischen Fahrzeugsteuerung der bedeutendste. Obwohl moderne Systeme wie Teslas Autopilot und GMs Super Cruise üblicherweise der Stufe 2 zugeordnet werden, steht der Branche ein rasanter Anstieg von Fahrzeugen der Stufen 3 und 4 bevor. Dieser Übergang markiert den Punkt, an dem das Fahrzeug beginnt, die Fahrdynamik zu übernehmen, sodass der Fahrer seine Aufmerksamkeit abwenden kann – ein enormer Fortschritt für das Fahrerlebnis.
Aktuelle weltweite Initiativen und regulatorische Fortschritte
Weltweit arbeiten Regulierungsbehörden und Regierungen zusammen, um den rechtlichen und ethischen Rahmen zu schaffen, der für den großflächigen Einsatz autonomer Fahrzeuge notwendig ist. Diese neue Entwicklung schafft günstige Bedingungen für die Akzeptanz in der Bevölkerung und fördert Innovationen.
- Vereinigtes Königreich: In einem historischen Schritt hat das Vereinigte Königreich den Automated Vehicles Act 2024 erlassen, ein umfassendes Gesetz, das separate rechtliche Verpflichtungen für Hersteller und Benutzer festlegt.
- Vereinigte Staaten: Das US-Verkehrsministerium (USDOT) fördert weiterhin die Zusammenarbeit und orientiert sich dabei an den Prinzipien des Plans „Automatisiertes Fahrzeug 4.0“ (AV 4.0). Die Nationale Straßenverkehrssicherheitsbehörde (NHTSA) übernimmt eine Führungsrolle bei der Gewährleistung der Sicherheit durch die Verpflichtung der Hersteller zu umfassenden Unfallberichten und die Förderung der freiwilligen Datenübermittlung im Rahmen der Initiative AV TEST, um Transparenz zu schaffen.
- Europa: Auch die Europäische Kommission (EU) handelt zügig und führt neue Vorschriften im Rahmen der allgemeinen Fahrzeugsicherheitsverordnung ein, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und den legalen Betrieb vollautonomer Fahrzeuge in der gesamten EU zu ermöglichen.
- Asien-Pazifik: Die Region Asien-Pazifik entwickelt sich rasant zu einem weltweit führenden Standort für die Installation autonomer Fahrzeuge. Japan steht beispielsweise kurz davor, autonome Fahrzeuge der Stufe 4 im öffentlichen Straßenverkehr zuzulassen. In China wird die Technologie des autonomen Fahrens im Bereich der Online-Fahrdienste stark gefördert, und Peking hat neue regulatorische Richtlinien erlassen, um die Einführung autonomer Fahrzeuge im kommerziellen Verkehr zu beschleunigen.
Die Macht strategischer Partnerschaften
Der Weg zur vollständigen Autonomie ist für ein einzelnes Unternehmen zu komplex, um ihn allein zu beschreiten. OEMs erkennen dies zunehmend und gehen vermehrt strategische Partnerschaften mit den Technologiekonzernen ein, um die wirkungsvolle Synergie von automobiler Expertise und Softwareinnovation zu nutzen.
Eine der bemerkenswertesten Partnerschaften der letzten Zeit ist die strategische Vereinbarung zwischen der Toyota Motor Corporation und Waymo, der Tochtergesellschaft von Alphabet Inc. für autonomes Fahren im kommerziellen Bereich. Die im April 2025 angekündigte Zusammenarbeit konzentriert sich auf die beschleunigte Entwicklung von Technologien für autonomes Fahren – sowohl für Fahrdienstvermittlungsdienste als auch für Privatfahrzeuge. Sie dient als Paradebeispiel dafür, wie ein OEM (Original Equipment Manufacturer) die Expertise eines etablierten Marktführers im Bereich autonomes Fahren nutzen kann, um zukunftsweisende Funktionen in seine Mobilitätsangebote zu integrieren.
Eine weitere interessante Kooperation besteht zwischen dem Hersteller von selbstfahrenden Lkw, PlusAI, und Goodyear, die im August 2025 geschlossen wurde. Diese Partnerschaft soll die Leistung autonomer Lkw verbessern, indem die intelligente Reifentechnologie von Goodyear, die Echtzeitinformationen über den Reifenzustand und die Straßenoberfläche generiert, mit dem virtuellen Fahrersystem von PlusAI kombiniert wird.
Die strategische Notwendigkeit für OEMs
Für OEMs ist die Zukunft autonomer Fahrzeuge keine passive Entwicklung, sondern eine aktive Herausforderung. Sie erfordert den Wandel vom konventionellen Hersteller zum Anbieter von Mobilitätslösungen mit einem unternehmerischen, vielschichtigen Ansatz.
- Integration softwaredefinierter Fahrzeuge: Das Auto der Zukunft ist eine Softwareplattform auf Rädern. OEMs müssen hohe Summen in Softwareentwicklung, KI und Datenanalyse investieren, um ihre eigenen Systeme für autonomes Fahren zu entwickeln und zu betreiben oder die Systeme ihrer Partner effektiv zu integrieren.
- Gezielte Marktsegmentierung: Pkw sind ein Hauptsegment, aber auch gewerbliche Anwendungen bieten sich an. Die Logistik- und Zustellungsbranche gehören zu den ersten Anwendern autonomer Fahrzeuge und erschließen so neue Umsatz- und Marktdurchdringungsquellen.
- Sicherheit und öffentliches Vertrauen gewährleisten: Die Akzeptanz der Verbraucher ist der wichtigste Erfolgsfaktor für autonome Fahrzeuge. Fahrzeughersteller müssen mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um höchste Sicherheitsstandards zu garantieren und durch offene Kommunikation das Vertrauen der Verbraucher zu stärken. Daher ist die Einhaltung von Normen von Organisationen wie SAE und ISO nicht nur eine Frage der Regulierung, sondern auch ein entscheidender Marketingfaktor.
Abschluss
Hersteller von selbstfahrenden Autos und andere Unternehmen, die an diesen Technologien beteiligt sind, werden bis Ende 2025 zweifellos zahlreiche Wachstumschancen haben. Trotz der jahrelangen Forschung und Entwicklung im Bereich des autonomen Fahrens besteht weiterhin Handlungsbedarf im Bereich intelligenter Mobilitätslösungen. Hersteller von selbstfahrenden Fahrzeugen werden voraussichtlich beispiellose Erfolge erzielen, wenn die Zusammenarbeit mit Regierung, Branchenverbänden und Aufsichtsbehörden gefördert wird. Darüber hinaus verlagern Automobilhersteller ihren Fokus vom Pkw- zum Nutzfahrzeugmarkt, wodurch sich voraussichtlich zahlreiche Investitionsmöglichkeiten für kommerzielle Projekte ergeben werden. Insgesamt ist der Umstieg auf die Produktion autonomer Fahrzeuge für traditionelle Automobilhersteller nicht allzu schwierig. Auch wenn der Wettbewerb in der Branche zunimmt, können OEMs ihre Konkurrenten überholen, indem sie einen ambitionierten Plan entwickeln und diesen schnellstmöglich umsetzen, um keine Chancen zu verpassen.
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